Gregor 2015

Der mit dem Prädikat GREGOR ausgezeichnete Kalender des gregor international calender award 2015

 

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metamorph

BESTER KALENDER DES WETTBEWERBS

Laudatio

Unter den Veranstaltern und Juroren dieses Wettbewerbes gibt es Leute, die seit Jahrzehnten beobachten, was sich tut in Sachen Kalendergestaltung; manche haben auf diesem Gebiet eine Expertise, die mein Lebensalter überschreitet. Wenn diese Herrschaften sagen: „Das habe ich noch nie gesehen“, ist das schon eine Auszeichnung an sich. Besonders verblüffend wird die Sache, wenn das Prinzip dieser Innovation auch noch dermaßen klar und naheliegend erscheint wie im Fall von „metamorph“: Der Kalender beginnt mit einem rein weißen Blatt, und mit jedem Monat kommt eine weitere Schicht von Bild und Typografie hinzu; bis der Dezember, in praller Pracht all jene vorausgegangenen Motive speichernd, ausklingt mit festlich-winterlicher Dunkelheit, auf der sich die frostig silbrigen Äste jenes Baumes besonders schön abheben, der schon das ganze Jahr lang an immer derselben Stelle im Monatsblatt steht.

Ein Augenschmaus, erdacht, illustriert und designt von Cornelia Glanzmann, gedruckt von Hornberger. Dass noch niemand vorher etwas Ähnliches gemacht hat – zumindest soweit uns bekannt – liegt womöglich auch an der Tücke des Objekts. Denn das Schichten von Farbe auf Farbe ergibt ja, wie die meisten von Ihnen aus leidvoller Erfahrung mit dem Wasserfarbkasten in Kindertagen wissen, nicht besonders viel Buntes, sondern graue Matsche.

Die Erfinder dieses Kalenders hatten das gleiche Problem. Sie absolvierten 23 Druckgänge, darunter zehn Sonderfarben und vier Veredelungen, nicht zu vergessen das zwölf-fache Austauschen des Kalendariums. Was dabei herauskommt, kann man nicht vorhersehen, das ist zu komplex.

Irgendwann muss man entscheiden: Sorry, virtuelle Simulation, beiseite Sicherheitsapostel, aus dem Weg Bedenkenträger! Wir machen das jetzt! Denn metamorph, also sich verwandelnd, umgestaltend; man könnte auch sagen: lebendig, riskant, erfrischend und überraschend – das geht nur im wirklichen Leben, im Fluss der Zeit.

Auch für diesen Mut haben sich die Macher von „metamorph“ alle Ehre verdient. Und so bleibt am Ende nur eine einzige Frage: Wie kommt man eigentlich nach der dutzendfachen Dichte des Dezember zur lichten Leere des neuen Anfangs? – Aber das ist ein Thema fürs nächste Jahr.

Andreas Langen

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