Gregor 2017

GREGOR 2017 – Preis der Jury

GREGOR 2017 Herzblut

Die Laudatio für den Kalender Herzblut von Glanzmann Schöne Design, Lörrach

Ein rot leuchtendes Herz … Der Award Winner ist ein Plädoyer für Freundschaft und Völkerverständigung

Was einen im Inneren des Siegerkalenders 2017 erwartet, verrät der Titel nicht direkt. Rot leuchtet ein Herz auf rauem Grund. Frisch, gesund, fast schon pulsierend ist die Farbe des Herzbluts, welches dem Gregor Gewinner auch den Titel gibt. Und vielleicht ist das haptisch Raue doch nicht ungewiss diffus, sondern vielmehr erdig und natürlich – ehrlich eben. Auf alle Fälle lohnt es sich, ein wenig inne zu halten, und, bevor wir Umblättern, zu verweilen auf dem Titelblatt: Zur Sensibilisierung unserer Sinne für das, was kommt und uns ein Jahr begleiten wird.

Denn spontan ins Auge fällt der Kontrast zur Hülle. Jedes Monatsblatt in zarten Farben, zurückhaltend, je­doch voll deutlich konturierter Ausdruckskraft. Schneeweiß das Papier – sollen wir an Unschuld denken oder gerade doch an Schuld?

Menschliche Figuren, einander zugetan, zeigt jedes Blatt, eingebettet in eine mit Symbolkraft reiche Land­schaft. Nah und fern zugleich wirken die Figuren, real und transzendent. Die Gesichtszüge, oft nur ange­deutet, manches Mal fernöstlich anmutend. Im August, scheint es, Frida Kahlo, die berühmte Malerin aus Mexiko, sei auferstanden. Und im April: Ist es die Wartburg, die da über den Wolken schwebt?

Im Kalendervorwort „Herzblut – von der Freundschaft“ heißt es: „Freundschaft ist das Gegenwort von Feindschaft. Und von vielen anderen Worten. Intoleranz, Gefühlskälte, Abgrenzung.“ Doch wie fasst man abstrakte Wort in Bilder, wie in Empathie und das Gefühl von Freundschaft, wie wir es kennen?

Inspirieren lassen hat sich die Kalendermacherin Cornelia Glanzmann-Schöne mit Atelier in Lörrach und Basel von einem der wohl bedeutendsten Sufi-Mystiker des 13. Jahrhunderts. Rumi, wie er kurz genannt wurde, ist im heutigen Afghanistan geboren, gestorben in Konya, heute der Türkei zugehörig. Seine eigene Geschichte einer tragischen Freundschaft inspirierte ihn „zum Dichten zahlreicher Verse, die seine Verbun­denheit mit dem Freund und seine Trauer über dessen Verlust ausdrückten.“ Zwölf dieser Verse hat Cornelia Glanzmann-Schöne als schöpferische Quelle für den Gewinnerkalender des Gregor Award 2017 für sich ausgewählt.

Im Vorwort stellt die Gestalterin die Facetten der Freundschaft zwischen zwei Menschen in den Vorder­grund. In ihrem Konzept und ihrer visuellen Sprache geht sie weit darüber hinaus. Mit der Bezugnahme auf 800 Jahre alte Dichtung zeigt sie sich unerschütterlich in ihrem Optimismus und stellt das Überdauern von Freundschaft über die Wirren der Zeit. Die individuelle visuelle Sprache ist so aussagekräftig und klar, wie sie zugleich zart und einfühlsam ist. Fast schon „visuelle Grammatik“ im Sinn der Ulmer Schule für Gestal­tung, wenn auch bei Weitem nicht so streng. Zufall ist das keiner. Denn ebenfalls im Vorwort ist zu lesen: „Im Zeitalter sozialer Medien werden Freundschaften oft anhand von Algorithmen berechnet, die nach Übereinstimmungen suchen. Freundschaften können ohne persönliche Begegnung gepflegt werden … Trotzdem kennt jeder Mensch den Wert echter Freundschaft jenseits aller Suchfilter.“

Statt jedoch in plumpen Kulturpessimismus zu verfallen, zeigt Cornelia Glanzmann-Schöne einfach, wie es anders geht. Die gedruckte Farbwelt ist stimmig in jedem Monat. Nicht nur das, sie ist es über das ganze Jahr hinweg, auf edlem matten Papier von besonderer Weiße von angenehmer Haptik. Eine Einladung zur Auseinandersetzung mit der schreienden Hektik glänzender Bildschirme, egal ob im Kinoformat oder hand­tellergroß . Harte Kritik, pfotenweich präsentiert. Sehr sympathisch.

Der Siegerkalender ist ein Printmedium vom Feinsten. Ein Jahresbegleiter, der eine Brücke zwischen Okzi­dent und Orient schlägt, der uns an Menschlichkeit erinnert, eine Geschichte der Freundschaft über kultu­relle Grenzen hinweg erzählt und uns auffordert das Gemeinsame unvergänglich zu gestalten.

Der Kalender mit dem „rot leuchtenden Herz“ ist ein würdiger Gewinner des Gregor International Calendar Awards 2017. Im Namen der Jury gratuliere ich Cornelia Glanzmann-Schöne und allen an der Realisierung Beteiligten aus tiefstem Herzen.

Und mit Rumi sei allen Narzissten dieser Welt gesagt: „Wer gute Freunde hat, braucht keinen Spiegel.“

Ernst Gärtner, Mitglied der Jury
Karlsruhe, 26. Januar 2017

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